Websites richtig planen
Website-Konzeption und Lastenheft 11 Min. Lesezeit

Ziele einer Website festlegen, bevor über Design gesprochen wird

Web strategist organizing handwritten website planning cards beside a laptop displaying a grayscale wireframe.

Warum die Zieldefinition vor dem Webdesign steht

Bei der Planung einer Website wird häufig zuerst über Farben, Schriftarten, Bilder und Animationen gesprochen. Diese Themen sind sichtbar und wirken greifbar. Für die Qualität einer Website sind jedoch andere Fragen entscheidender: Welche Aufgabe soll die Website erfüllen? Für wen wird sie erstellt? Welche Handlung soll eine Besucherin oder ein Besucher ausführen? Und woran lässt sich später erkennen, ob die Website ihren Zweck erfüllt?

Ein ansprechendes Erscheinungsbild kann eine unklare Website nicht dauerhaft ausgleichen. Wenn Inhalte, Navigation und Funktionen keinem übergeordneten Ziel folgen, entsteht oft eine Oberfläche, die zwar modern aussieht, aber keine Orientierung bietet. Das betrifft sowohl private Projekte als auch Websites für professionelle Angebote, digitale Dienste, Informationsangebote oder interne Arbeitsabläufe.

Eine belastbare Planung beginnt daher mit einer Zieldefinition. Das Design folgt anschließend aus den Anforderungen. Es soll die Inhalte verständlich strukturieren, die gewünschte Handlung unterstützen und auf unterschiedlichen Geräten zuverlässig funktionieren. Diese Reihenfolge reduziert spätere Änderungen, erleichtert die technische Auswahl und schafft eine Grundlage für messbare Entscheidungen.

Die verschiedenen Ziele einer Website unterscheiden

Der Begriff Website-Ziel beschreibt nicht immer dasselbe. Ein übergeordnetes Geschäftsziel, ein Kommunikationsziel und eine konkrete Handlung auf einer einzelnen Seite können nebeneinander bestehen. Werden diese Ebenen vermischt, entstehen unpräzise Vorgaben wie „mehr Sichtbarkeit“ oder „professioneller wirken“. Solche Formulierungen geben einem Gestaltungsteam kaum eine überprüfbare Richtung.

Für die Planung hilft eine Unterteilung in vier Ebenen:

  • Übergeordnetes Ziel: Die Website soll beispielsweise Informationen zugänglich machen, Anfragen ermöglichen, einen digitalen Prozess unterstützen oder Inhalte dauerhaft auffindbar bereitstellen.
  • Ziel der Nutzerinnen und Nutzer: Besucher sollen eine Anleitung finden, Voraussetzungen prüfen, einen Termin anfragen, ein Dokument herunterladen oder eine Entscheidung vorbereiten können.
  • Handlungsziel: Eine konkrete Seite soll zu einer nachvollziehbaren Aktion führen, etwa zum Ausfüllen eines Formulars, zur Kontaktaufnahme oder zur Auswahl eines passenden Inhalts.
  • Qualitätsziel: Die Website soll unter bestimmten Bedingungen nutzbar sein, etwa auf Smartphones, mit Tastaturbedienung, bei langsamer Verbindung oder mit assistiven Technologien.

Diese Ebenen sollten schriftlich voneinander getrennt werden. Ein Handlungsziel ist nicht automatisch das übergeordnete Ziel. Ein Kontaktformular kann beispielsweise eine Funktion sein, während das eigentliche Ziel in der strukturierten Bearbeitung von Anfragen liegt.

Zielgruppen beschreiben, ohne in Klischees zu verfallen

Eine Website kann nicht für „alle“ gleich gut geplant werden. Eine zu weit gefasste Zielgruppe führt meist zu allgemeinen Texten, unklarer Navigation und widersprüchlichen Prioritäten. Zielgruppenbeschreibungen müssen dabei keine erfundenen Personenprofile mit Namen, Berufen oder persönlichen Geschichten enthalten. Für die Planung sind konkrete Nutzungssituationen meist hilfreicher.

Beschrieben werden können unter anderem:

  • welche Vorkenntnisse die Besucher wahrscheinlich besitzen,
  • welches Problem sie lösen möchten,
  • unter welchem Zeitdruck sie stehen,
  • welches Gerät und welche Verbindung sie vermutlich verwenden,
  • welche Informationen für eine Entscheidung notwendig sind,
  • welche Bedenken gegenüber Formularen, Downloads oder einer Kontaktaufnahme bestehen.

Eine technische Website richtet sich beispielsweise an Personen, die einen Fehler beheben möchten. Diese Zielgruppe sucht häufig zuerst nach einer konkreten Lösung, benötigt aber zugleich Hinweise zu Voraussetzungen, Risiken und möglichen Datenverlusten. Ein erklärender Artikel muss deshalb anders aufgebaut sein als eine reine Produktübersicht.

Bei mehreren Zielgruppen werden Prioritäten festgelegt. Dabei sollte dokumentiert werden, welche Gruppe den wichtigsten Anwendungsfall bildet und welche Bedürfnisse nachgeordnet sind. Das verhindert, dass jede Unterseite gleichzeitig alle möglichen Fragen beantworten soll.

Nutzeraufgaben und Nutzungssituationen erfassen

Nach der Zielgruppenbeschreibung folgt die Frage, was Menschen auf der Website tatsächlich erledigen wollen. Nutzeraufgaben sind konkreter als Themen. „Informationen über Datensicherheit“ bezeichnet ein Themenfeld. „Prüfen, ob ein Konto durch Mehrfaktor-Authentifizierung geschützt werden kann“ beschreibt dagegen eine Aufgabe.

Für jede wichtige Aufgabe sollte eine kurze Aufgabenkarte angelegt werden. Sie kann folgende Punkte enthalten:

  1. Ausgangssituation: Was bringt die Person auf die Website?
  2. Gesuchte Information oder Handlung: Was soll am Ende geklärt oder erledigt sein?
  3. Erforderliche Schritte: Welche Reihenfolge ist für die Aufgabe notwendig?
  4. Mögliche Hindernisse: Welche Begriffe, technischen Voraussetzungen oder Unsicherheiten könnten abbremsen?
  5. Erfolgskriterium: Woran erkennt die Person selbst, dass die Aufgabe abgeschlossen ist?

Diese Methode zeigt früh, welche Inhalte auf eine Seite gehören und welche besser getrennt werden. Sie hilft auch bei der Navigation. Eine Struktur nach internen Zuständigkeiten oder Abteilungen kann für die Erstellung bequem sein, muss aber nicht zur Denkweise der Zielgruppe passen. Eine auf Aufgaben ausgerichtete Navigation ist häufig verständlicher.

Primäre und sekundäre Ziele priorisieren

Viele Websites verfolgen mehrere Ziele. Das ist grundsätzlich sinnvoll, führt ohne Priorisierung jedoch zu konkurrierenden Aufforderungen. Ein Startbereich, der gleichzeitig zum Newsletter, zu einem Download, zu einer Kontaktaufnahme, zu mehreren Themenbereichen und zu einem sozialen Kanal führen soll, erzeugt Entscheidungslast.

Die Ziele werden deshalb in drei Gruppen eingeteilt:

  • Primäres Ziel: Die wichtigste Handlung oder Information, für die die Website konzipiert wird.
  • Sekundäre Ziele: Unterstützende Aufgaben, die für bestimmte Besucher relevant sind, aber nicht die gesamte Struktur bestimmen.
  • Begleitende Ziele: Vertrauensbildung, Orientierung, Barrierearmut, Datenschutzinformationen oder die Auffindbarkeit ergänzender Inhalte.

Eine Priorisierung bedeutet nicht, dass sekundäre Inhalte versteckt werden. Sie erhalten eine passende Position und eine klare Bezeichnung. Bei einem technischen Hilfsangebot kann die Problemlösung das primäre Ziel sein. Hintergrundwissen, weiterführende Hinweise und Kontaktmöglichkeiten unterstützen dieses Ziel, sollten den Lösungsweg aber nicht blockieren.

Als praktische Prüfung kann jede wichtige Seite mit einem Satz beschrieben werden: „Nach dem Besuch dieser Seite soll die Person ...“. Wenn mehrere gleichrangige Enden in diesem Satz stehen, ist die Seite wahrscheinlich zu breit angelegt oder benötigt eine klarere Priorität.

Messbare Ziele und geeignete Kennzahlen festlegen

Ein Ziel wird überprüfbarer, wenn festgelegt wird, woran seine Erreichung erkannt werden kann. Dabei sollten keine Kennzahlen ausgewählt werden, weil sie leicht zu erfassen sind. Eine hohe Zahl an Seitenaufrufen sagt beispielsweise wenig aus, wenn die gesuchte Aufgabe nicht abgeschlossen wird.

Geeignete Messgrößen hängen vom Zweck der Website ab:

Website-ZweckMögliche KennzahlWichtige Ergänzung
Hilfs- und WissensangebotAufruf relevanter Inhalte, Suchanfragen, abgeschlossene AufgabenBewerten, ob die Lösung verständlich und vollständig war
KontaktaufnahmeAbgeschickte Formulare oder qualifizierte AnfragenFormularabbrüche und unnötige Pflichtfelder prüfen
DokumentenbereitstellungAufrufe und Downloads der benötigten DokumenteDateiformat, Aktualität und Zugänglichkeit kontrollieren
Digitaler ProzessErfolgreich abgeschlossene VorgängeFehlerstellen und Abbrüche nach Prozessschritt auswerten
InformationsvermittlungAufruf zentraler Inhalte und Nutzung der NavigationVerständlichkeit durch Rückmeldungen und Tests prüfen

Messwerte benötigen immer einen Kontext. Ein Formularabschluss kann steigen, weil der Prozess verständlicher wurde, oder weil die Qualität der Anfragen gesunken ist. Kennzahlen sollten deshalb mit qualitativen Rückmeldungen, technischen Fehlerprotokollen und stichprobenartigen Prüfungen kombiniert werden.

Inhalte vor dem visuellen Konzept planen

Designentscheidungen werden belastbarer, wenn die zentralen Inhalte bereits bekannt sind. Dazu gehört kein vollständig ausformulierter Text für jede Unterseite. Benötigt werden zunächst eine Inhaltsliste und eine klare inhaltliche Hierarchie.

Für jede geplante Seite kann ein Inhaltssteckbrief erstellt werden:

  • Seitentyp und Zweck
  • Hauptfrage der Zielgruppe
  • wichtigste Aussage im Einstiegsbereich
  • notwendige Erklärungen, Beispiele oder Warnhinweise
  • gewünschte Handlung
  • verwandte Inhalte und interne Verweise
  • Verantwortlichkeit für Aktualisierung und Prüfung

Diese Vorarbeit verhindert, dass eine Gestaltung mit Platzhaltertexten geplant wird, die später nicht zur tatsächlichen Informationsmenge passt. Kurze Überschriften, lange technische Erläuterungen, Tabellen und Warnhinweise benötigen unterschiedliche Darstellungsformen. Ein Layout, das nur mit kurzen Werbesätzen funktioniert, kann bei umfangreichen Anleitungen unübersichtlich werden.

Auch die redaktionelle Pflege gehört zur Planung. Für Inhalte mit Sicherheitsbezug, Softwareversionen oder rechtlich relevanten Angaben sollte festgelegt werden, wann eine Prüfung erforderlich ist. Veraltete Informationen können ein größeres Risiko darstellen als eine fehlende Information.

Technische und nicht sichtbare Anforderungen berücksichtigen

Das Ziel einer Website beeinflusst die technische Architektur. Ein statisches Informationsangebot stellt andere Anforderungen als ein geschützter Bereich, ein Suchsystem, ein mehrstufiges Formular oder eine Website mit häufigen Inhaltsaktualisierungen.

Vor der Designphase sollten deshalb folgende Punkte geklärt werden:

  • Welche Inhalte werden regelmäßig verändert?
  • Wer darf Inhalte erstellen, prüfen und veröffentlichen?
  • Werden Konten, Rollen oder geschützte Bereiche benötigt?
  • Müssen Formulare Daten speichern oder an andere Systeme übergeben?
  • Welche Such- und Filterfunktionen sind für die Aufgaben erforderlich?
  • Welche Geräte, Browser und Bildschirmgrößen müssen unterstützt werden?
  • Welche Anforderungen gelten für Barrierefreiheit, Datenschutz und Datensicherheit?
  • Welche Sicherungen, Wiederherstellungsverfahren und Aktualisierungsprozesse sind vorgesehen?

Datensparsamkeit ist bereits bei der Zieldefinition wichtig. Werden personenbezogene Daten nicht für die Aufgabe benötigt, sollten sie nicht über ein Formular abgefragt werden. Für notwendige Daten müssen Zweck, Zugriff, Aufbewahrung und Schutzmaßnahmen geklärt werden. Das ist keine nachträgliche Ergänzung zum Design, sondern eine Voraussetzung für die verantwortbare Umsetzung.

Bei Funktionen mit erhöhtem Risiko sollten Sicherheitsanforderungen schriftlich festgehalten werden. Dazu zählen beispielsweise sichere Authentifizierung, Schutz vor automatisierten Formularübermittlungen, Rollen- und Rechtekonzepte sowie regelmäßige Sicherungen. Konkrete Maßnahmen hängen von der technischen Umgebung und der Art der verarbeiteten Daten ab.

Barrierefreiheit und mobile Nutzung als Ziel festschreiben

Barrierefreiheit sollte nicht als letzter Kontrollpunkt behandelt werden. Sie beeinflusst Struktur, Sprache, Bedienung und technische Umsetzung. Ein Ziel kann etwa lauten, dass zentrale Aufgaben ohne Maus, mit vergrößerter Darstellung und mit unterstützenden Technologien bedienbar sind. Dafür müssen Inhalte logisch gegliedert, Bedienelemente verständlich beschriftet und Zustände erkennbar sein.

Wichtige Prüfbereiche sind:

  • übersichtliche Überschriftenhierarchie,
  • ausreichende Unterscheidbarkeit von Text und Hintergrund,
  • Tastaturbedienung ohne eingeschlossene Fokusposition,
  • verständliche Fehlermeldungen bei Formularen,
  • Alternativtexte für informative Bilder,
  • keine ausschließliche Vermittlung wichtiger Informationen über Farbe,
  • skalierbare Inhalte ohne unnötiges horizontales Scrollen.

Die mobile Nutzung sollte ebenfalls als Nutzungssituation beschrieben werden, nicht als nachträgliche Anpassung. Kleine Bildschirme verändern die Reihenfolge, die verfügbare Aufmerksamkeit und die Bedienung. Lange Tabellen, komplexe Menüs und große Dateien benötigen eine eigene Prüfung. Ein responsives Layout ist ein technisches Mittel, aber noch kein Beleg für eine gute mobile Nutzung.

Ein Zielkonzept in einem überprüfbaren Dokument festhalten

Ein Zielkonzept muss nicht umfangreich sein. Entscheidend ist, dass es Entscheidungen nachvollziehbar macht und zwischen Beteiligten eine gemeinsame Grundlage schafft. Für ein kleines Projekt kann ein Dokument mit wenigen Seiten genügen. Für größere Vorhaben sind zusätzliche Aufgabenlisten, Inhaltsmodelle und technische Spezifikationen sinnvoll.

Eine brauchbare Struktur enthält:

  1. Ausgangslage: Welches Problem oder welcher Bedarf führt zur Website?
  2. Zielgruppen: Welche Gruppen werden priorisiert und in welchen Situationen nutzen sie das Angebot?
  3. Hauptaufgaben: Welche Tätigkeiten sollen Besucher erledigen können?
  4. Prioritäten: Welche Ziele sind primär, sekundär oder unterstützend?
  5. Inhaltsbereiche: Welche Informationen werden benötigt und wie werden sie gepflegt?
  6. Funktionen: Welche technischen Funktionen sind für die Aufgaben erforderlich?
  7. Qualitätsanforderungen: Welche Vorgaben gelten für Sicherheit, Datenschutz, Barrierefreiheit, Geschwindigkeit und mobile Nutzung?
  8. Messung: Welche Kennzahlen und qualitativen Prüfungen zeigen, ob die Website ihren Zweck erfüllt?
  9. Annahmen und offene Fragen: Welche Punkte müssen vor der Umsetzung noch geklärt werden?

Das Dokument sollte versioniert und bei wichtigen Änderungen aktualisiert werden. Eine Änderung des Hauptziels kann Auswirkungen auf Navigation, Inhalte, Datenmodell, Technik und Gestaltung haben. Eine nachvollziehbare Dokumentation verhindert, dass solche Folgen übersehen werden.

Von den Zielen zum Designprozess

Erst nach der Zielklärung beginnt die konkrete Gestaltung. Dabei entsteht nicht sofort ein fertiges Erscheinungsbild. Sinnvoll ist eine schrittweise Entwicklung, bei der zunächst die Informationsarchitektur geprüft wird.

  1. Inhaltsstruktur erstellen: Themen, Aufgaben und Seiten werden geordnet. Begriffe sollten aus Sicht der Zielgruppe verständlich sein.
  2. Nutzerwege skizzieren: Für die wichtigsten Aufgaben wird festgehalten, von welchem Einstieg bis zum Abschluss navigiert wird.
  3. Grobentwürfe anfertigen: Die Anordnung von Inhalten, Navigation, Formularen und Handlungsaufforderungen wird ohne dekorative Details geprüft.
  4. Mit realistischen Inhalten testen: Platzhalter werden durch typische Überschriften, längere Texte, Fehlermeldungen und Tabellen ersetzt.
  5. Visuelles System entwickeln: Farben, Schriften, Abstände, Bildsprache und Komponenten werden auf die zuvor festgelegten Aufgaben abgestimmt.
  6. Technisch prüfen: Bedienung, Ladeverhalten, responsive Darstellung, Sicherheit und Barrierefreiheit werden in realen Nutzungssituationen kontrolliert.

Tests müssen nicht ausschließlich am Ende stattfinden. Bereits frühe Entwürfe können mit typischen Aufgaben geprüft werden. Dabei geht es nicht um Geschmacksurteile, sondern um Fragen wie: Wird der nächste Schritt erkannt? Ist die wichtigste Information auffindbar? Versteht die Person die Fehlermeldung? Kann der Vorgang ohne unnötige Eingaben abgeschlossen werden?

Typische Planungsfehler und ihre Folgen

Mehrere Fehler treten auf, wenn die Gestaltung vor der Zieldefinition beginnt:

  • Das Erscheinungsbild wird zum Hauptziel: Diskussionen drehen sich um Farben und Effekte, während Aufgaben und Inhalte ungeklärt bleiben.
  • Alle Zielgruppen werden gleich behandelt: Die Website verliert Prioritäten und wirkt in jedem Bereich nur teilweise passend.
  • Kennzahlen werden ohne Zweck gewählt: Gut sichtbare Werte werden optimiert, obwohl sie nichts über erfolgreiche Nutzeraufgaben aussagen.
  • Technische Einschränkungen kommen zu spät: Ein Layout passt nicht zu Formularen, Suchfunktionen, redaktionellen Abläufen oder Sicherheitsanforderungen.
  • Inhalte werden unterschätzt: Die Navigation und Seitenvorlagen sind für die tatsächliche Textmenge nicht geeignet.
  • Datenschutz und Sicherheit werden nachgelagert: Notwendige Schutzmaßnahmen führen später zu kostspieligen Umbauten.
  • Keine klare Verantwortung: Inhalte veralten, weil Prüfung, Freigabe und Aktualisierung nicht zugeordnet sind.

Diese Fehler sind vermeidbar, wenn Ziele, Aufgaben und Anforderungen vor der visuellen Ausarbeitung schriftlich abgestimmt werden. Das spart nicht jede spätere Änderung ein. Es sorgt jedoch dafür, dass Änderungen auf nachvollziehbaren Erkenntnissen beruhen statt auf widersprüchlichen Einzelwünschen.

Praktische Checkliste vor dem ersten Designentwurf

Vor der Arbeit an Farben, Komponenten und Seitentemplates sollten die folgenden Fragen beantwortet sein:

  • Welches zentrale Problem löst die Website?
  • Welche Zielgruppe hat bei Konflikten Vorrang?
  • Welche drei bis fünf Aufgaben sind besonders wichtig?
  • Was soll nach dem Besuch einer zentralen Seite geschehen?
  • Welche Inhalte sind dafür notwendig?
  • Welche Informationen dürfen nicht fehlen, damit Entscheidungen sicher getroffen werden können?
  • Welche Funktionen sind wirklich erforderlich?
  • Welche personenbezogenen Daten werden verarbeitet und warum?
  • Wie werden Inhalte geprüft, aktualisiert und gesichert?
  • Welche Anforderungen gelten für mobile Nutzung, Tastaturbedienung und assistive Technologien?
  • Welche Kennzahlen und Rückmeldungen zeigen später die Qualität?
  • Wer entscheidet bei Zielkonflikten?

Wenn mehrere Antworten offen sind, sollte zunächst die Planung fortgesetzt werden. Ein Entwurf kann zwar helfen, Fragen sichtbar zu machen. Er ersetzt jedoch keine Entscheidung über Zweck, Zielgruppe und Prioritäten.

FAQ zur Zielplanung einer Website

Wie viele Ziele sollte eine Website haben?

Eine Website kann mehrere Ziele verfolgen. Für die Umsetzung sollte jedoch ein primäres Ziel festgelegt werden. Sekundäre Ziele werden diesem untergeordnet und erhalten eine passende, klar begrenzte Rolle. Dadurch bleiben Navigation, Inhalte und Handlungsaufforderungen verständlich.

Ist ein Ziel wie „modernes Design“ ausreichend?

Nein. „Modern“ beschreibt eine Wahrnehmung und kein überprüfbares Ergebnis. Präziser sind Anforderungen wie verständliche Orientierung, gute mobile Bedienbarkeit, klare Inhaltsprioritäten oder eine bestimmte Nutzeraufgabe. Das visuelle Design kann diese Anforderungen unterstützen.

Wann werden technische Anforderungen festgelegt?

Technische Anforderungen gehören in die frühe Planungsphase. Funktionen, Datenverarbeitung, Rollen, Suchmöglichkeiten, Sicherungen und Schnittstellen beeinflussen die Informationsarchitektur und das Design. Eine spätere Festlegung kann zu strukturellen Änderungen führen.

Wie lässt sich prüfen, ob die Ziele erreicht werden?

Messbare Kennzahlen werden mit qualitativen Prüfungen verbunden. Dazu gehören Aufgaben- und Bedienungstests, Rückmeldungen, die Prüfung von Fehlermeldungen und die Kontrolle technischer Qualitätsmerkmale. Die geeignete Kombination hängt vom Zweck der Website ab.

Katrin Weidinger

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